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Sicherheit im Fußball

Politik verlangt sofortige Maßnahmen

  • Video Fußball-Gipfel: Kodex und höhere Strafen
  • Bilderserie Viel Feuer und ein Fast-Abbruch
  • VideoFußball-Gipfel: Kodex und höhere Strafen

    Verschärfte Sanktionen und ein Verhlatenskodex sind die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels zur Gewalt in Fußballstadien zwischen Politik und Profivereinen. Fan-Vertreter waren übrigens nicht eingeladen

    (17.07.2012)
    BilderserieViel Feuer und ein Fast-Abbruch

    Skandalspiel um den Bundesliga-Aufstieg. Am Ende feiert Düsseldorf die Rückkehr in die Bundesliga - doch der Fußball hat verloren.

    (15.05.2012)

    Kurzmeldung

    • 14:55 23.07.2012Kurzmeldung

      Politik erhöht Druck auf die Klubs 14:55 23.07.2012
      Eine Woche nach dem Sicherheitsgipfel hat die Politik den Druck auf den Fußball erhöht. Beim Spitzengespräch zwischen DFB, DFL und der ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren (IMK) machten die Politiker deutlich, dass der neue Verhaltenskodex der Vereine nicht genug sei. So soll der Ordnungsdienst sofort verstärkt und eine bessere Videoüberwachung ins Lizenzierungsverfahren aufgenommen werden. Zwei Themen sind jedoch vom Tisch: "Eine Mitfinanzierung von Polizeieinsätzen und das Verbot von Stehplätzen stehen derzeit nicht zur Debatte", so IMK-Vorsitzender Caffier.

    • 15:59 23.07.2012Kurzmeldung

      Niersbach: "Der Druck ist da" 15:59 23.07.2012
      DFB-Präsident Niersbach hat das Spitzengespräch zwischen DFB, DFL und Innenministern mit gemischten Gefühlen verlassen. "Über einige Dinge kann man einfach nicht mehr verhandeln, denn der Druck ist da." DFL-Chef Rauball meinte: "Wir haben teils gute und teils weniger gute Botschaften erhalten." Ein Streitthema bleibt die von vielen Politikern geforderte personenbezogene Einlasskontrolle, um bekannte Krawallmacher noch besser auszusortieren. "So sehr die Sicherheit im Vordergrund steht, muss man auch sehen, was in der Realität praktizierbar ist", sagte Rauball.

    • 15:45 17.07.2012Kurzmeldung

      Union nicht bei Sicherheitsgipfel 15:45 17.07.2012
      Zweitligist Union Berlin hat als einziger der 54 deutschen Proficlubs den Sicherheitsgipfel in Berlin boykottiert. Als Begründung nannte Vereinssprecher Christian Arbeit, dass der am Dienstag beschlossene Verhaltenskodex den Vereinen erst am Montag um 16.45 Uhr zugesandt worden sei. "Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können", sagte Arbeit. "Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen. Es scheint auch so, als sollte dies bei dieser Akklamationsveranstaltung gar nicht gewollt gewesen zu sein."

    von Torsten Haselbauer

    Über so viel Zuspruch waren die Verantwortlichen von Union Berlin selbst überrascht. Gut 600 Facebook-Usern gefiel die Meldung zur Sicherheitskonferenz, die die "Eisernen" ins Netz gestellt hatten. Auch die geposteten Kommentare in dem offiziellen Blog des Zweitligisten nahmen schnell die 100er Marke. „Höchster Respekt“ wird da den "Eisernen" gezollt, sich ausdrücklich „für das Nicht-Abnicken“ bedankt oder einfach ein Glückwunsch ausgesprochen zu „einer richtig guten Entscheidung“.

    Das sind die Reaktionen auf die Meldung, die das Fernbleiben von Union Berlin bei der "Sicherheitskonferenz" am vergangenen Dienstag in Berlin begründet. Zu der hatte sich der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Vertretern von den 53 Profivereinen aus der Ersten, Zweiten und Dritten Liga getroffen. Die Fans blieben draußen, Union erschien als einziger geladener Verein nicht.

    Kein Kodex ohne Diskussion

    Die Tagung "Für Fußball. Gegen Gewalt" endete schließlich mit einem Kodex für ein radikales Pyroverbot, mehr und längere Stadionverbote und verschärfte Videoüberwachung in den Stadien. Eine Tafel mit 53 symbolträchtigen Unterschriften unter dieser Selbstverpflichtung wurde stolz den Medien präsentiert. Da, wo Union Berlin-Präsident Dirk Zingler hätte unterschreiben sollen, klaffte jedoch eine große Lücke. "Wäre der Sicherheitsgipfel eine Auftaktkonferenz mit Beteiligung der Fans gewesen, wären wir natürlich mit dabei gewesen", erklärte Union-Sprecher Christian Arbeit ZDFsport.de.

     

    "Wir waren mit dem gesamten Verfahren nicht einverstanden. Ein Kodex zum Beispiel bedarf einer intensiven Diskussion. Wir werden jetzt in den Vereinsgremien, zu der auch die Fan- und Mitgliederabteilung zählt, damit beginnen - ohne jeglichen Zeitdruck. Denn Dinge, welche die Menschen betreffen, die in unser Stadion kommen, regeln wir nicht ohne sie", erklärt Union Berlin.

    "Wir sind nicht der tollste Verein"

    Mit dem "Aufstand" gegen die Liga- und Vereinsbosse ist Union Berlin plötzlich zu einem Fan-Widerstandsnest geworden. „Weder von der DFL noch vom DFB gab es bisher eine Reaktion“, so Arbeit. Dafür aber jede Menge aufmunternde Kommentare in den sozialen Netzwerken, die auch mit Fußballwappen aus Schalke 04, Borussia Dortmund, 1. FC Kaiserslautern oder anderen Vereinen versehen sind.

    Union Berlin bleibt trotz der neuen bundesweiten Sympathiewelle bescheiden. "Wir verstehen uns jetzt nicht als der tollste Verein von ganz Fußball-Deutschland und als die einzigen und wahren Vertreter von Faninteressen“, so Christian Arbeit, der Sprecher von Union Berlin. Und selbstverständlich werden auch die "Eisernen" die neuen Fan-Spielregeln, wenn sie denn einmal rechtsgültig sind, in Zukunft mittragen (müssen).

    DFL-Vollversammlung am 12. Dezember

    Anlass der Veranstaltung

    Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) traf sich am 12. Dezember in Frankfurt mit den Vertretern der 36 Profiklubs auf der Mitgliederversammlung, um über das umstrittene Papier «Sicheres Stadionerlebnis» abzustimmen. Die Innenminister der Länder hatten den Klubs mit einschneidenden Maßnahmen gedroht und von den Vereinen einheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Gewalt gefordert.

    Normalerweise reicht eine einfache Mehrheit, eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist notwendig, wenn bei einem Antrag die Lizenzspielordnung geändert wird.

    Die 16 Anträge in Kurzform zusammengefasst:                            
                                           
    Antrag 1: Die Veranstaltungsleiter von Bundesliga-Spielen bekommen eine genaue Funktionsbeschreibung.                 
    Antrag 2: Ein verbindlicher Dialog zwischen Fans und Klubs wird verankert.
    Anträge 3 und 4: Die Polizei bekommt mehr Kompetenzen.                      
    Antrag 5: Der Ordnungsdienst des Gastvereins wird im Stadion des Heimvereins mit einbezogen.                        
    Antrag 6: Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten werden genau festgelegt.    
    Antrag 7: Verbindliche Teilnahme des Veranstaltungsleiters an Sicherheitsbesprechungen bei Risikospielen.         
    Antrag 8: Kontrollen an Stadioneingängen werden verschärft.                 
    Antrag 9: Ordnungsdienstkräfte werden geschult.                              
    Antrag 10: Aufgaben des Fanbeauftragten am Spieltag werden festgelegt.         
    Antrag 11: Festlegungen für Risikospiele und Spiele unter Beobachtung.
    Antrag 12: Ein Zertifizierungsverfahren ("Stadionerlebnis") wird entwickelt.   
    Antrag 13: Eine ständige Kommission Stadionerlebnis wird eingerichtet.     
    Antrag 14: Festgelegt wird, wann das Ticketkontingent für Auswärtsfans reduziert werden darf.
    Antrag 15: Weiterentwicklung der DFB-Sportgerichtsbarkeit (Anträge sollen erst zum DFB-Bundestag im Oktober 2013 erarbeitet werden).                    
    Antrag 16: Erlöse aus der Vermarktung (Fernsehgelder) werden zweckgebunden an die Vereine ausbezahlt, wenn diese wiederholt Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen.

    Eckpunkte des Papiers

    - Null-Toleranz beim Verbot von Pyrotechnik

    - Erhöhung der Ausgaben für Fan-Betreuung

    - Konsequente Durchsetzung von Stadionverboten

    - Mehr Video-Kameras in den Gäste-Stehplatzbereichen

    - Personalisierte Eintrittskarten

    - Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gegen die Verursacher

    Strittige Punkte

    Umstrittene Punkte im Konzept «Sicheres Stadion» sind vor allem die Anträge 8, 11 und 14. Bei Spielen mit erhöhtem Risiko, so die DFL, ist die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen zu erwägen. Zuvor heißt es, dass Ligaverband und Deutscher Fußball-Bund (DFB) zu keinem Zeitpunkt «statuarische Vorgaben für die Durchführung sogenannter Vollkontrollen» vorgeschlagen haben. Die Entscheidung, in welchem Umfang Fans an den Stadioneingängen durchsucht haben, obliege wie bisher dem Heimverein. Für die Fanvertreter ist damit klar, dass Vollkontrollen nicht kategorisch ausgeschlossen sind. Zumal in dem Antrag steht, dass Kontrolleinrichtungen so beschaffen sein müssen, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können. Da fürchten Kritiker, dass diese öfter in Zelten stattfinden wie kürzlich beim Bundesliga-Spiel FC Bayern - Eintracht Frankfurt.

    Zudem geht es um die mögliche Reduzierung des Ticket-Gästekontingents. Normalerweise stehen den Auswärtsfans wie bisher zehn Prozent der Karten zu. Künftig sollen diese um die Hälfte reduziert werden können, wenn das DFB-Sportgericht nach Zwischenfällen ein entsprechendes Urteil fällt - oder bei «einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko». Für Gegner des Sicherheitskonzepts ist diese eine Kollektivstrafe, zudem sehen sie sich dem Wohlwollen des Heimclubs ausgeliefert.

    23.07.2012
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